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JVA-Report 1/2010
am Sonntag 28 März 2010 von Leseratte in Reviews > Fanzines Kommentare: 0 Hits: 499
Die Redaktion des JVA-Reports scheint wohl nie Pause zu machen. Innerhalb kürzester Zeit wurde wieder eine neue Ausgabe zusammengestellt, die in Sachen Abwechslungsreichtum keine Wünsche offen lässt. Auf 72 Seiten präsentieren die Macher wieder viele verschiedene Artikel aus den Bereichen Musik, Politik, Geschichte, Kultur und Tierschutz. Wer den JVA-Report bereits kennt, weiß dass ein großer Teil des Heftes bisher immer der Gefangenenbetreuung gewidmet ist und sich mit den Problemen in den deutschen Knästen befasst. In diese Kategorie fallen ein Bericht aus der JVA Hameln und eine Beschreibung eines amerikanischen Gefängnisses. Natürlich gibt es auch wieder viele Leserbriefe von Gefangenen. Leider fehlen in diesem Heft aber die sonst üblichen Befragungen von Gefangenen, welche eigentlich immer sehr interessant waren. Dafür gibt es dieses Mal unter anderem einen extrem langen Bericht über die NS-Bewegung in Russland. Ein örtlicher Kamerad berichtet vom jahrelangen Kampf für die Sache. Dass dieser Kampf in Russland vor allem mit Gewalt, anstatt mit politischen Mitteln, gekämpft wird, zeigt sich in der langen Auflistung von Morden und Schlägereien. In wie weit dies alles akzeptabel ist, muss jeder Leser für sich entscheiden. Auf der musikalischen Seite wurden dieses Mal Aufbruch und Frank Rennicke befragt. Das Interview mit Aufbruch ist nicht wirklich aufschlussreich, vielmehr wird hier über private Angelegenheiten gesprochen und allerlei unwichtigen Dingen wird Beachtung geschenkt. Den Platz im Heft hätte man besser nutzen können. Frank Rennicke dagegen gibt schon interessantere Antworten mit Biss, die an der ein oder anderen Stelle sicherlich diskussionswürdig sind.
Weiterhin lesbar sind neben dem Rennicke-Interview und den Knastberichten, der Artikel über Dresden und der Brief eines Frontsoldaten. Auch die sehr übersichtlich aufgebaute Heftbesprechungs-Ecke enthält einige interessante Publikationen. Etwas schwierig bzw. -aus meiner Sicht- belanglos sind die Artikel "Die Arbeit an uns selbst" und "Revolution des Geistes". Die beiden Texte strotzen nur so vor langen, verschachtelten Sätzen, welche schwer verständlich und größtenteils auch nichtssagend sind. Mein Fall ist es nicht. Darüber hinaus gibt es noch eine Vielzahl kurzer Berichte, eine Witzeseite und ein paar Rätsel (inklusive Verlosung).
Besonders ins Auge sticht die neue Gestaltung, welche anscheinend von professioneller Hand erstellt wurde. Das Heft wirkt sehr aufgeräumt und übersichtlich, was den Lesefluss noch fördert. Von der Seite her, gibt es dieses Mal ein großes Lob.
Zusammengefasst ist die erste Ausgabe des Jahres 2010 wieder sehr abwechslungsreich geworden, womit für jeden Leser etwas Interessantes dabei sein dürfte. Lediglich die fehlenden Gespräche mit den Gefangenen schlagen negativ zu Buche. Diesen Punkt sollte man im nächsten Heft besser wieder aufgreifen. Ansonsten ist das Heft aber uneingeschränkt empfehlenswert.