Es war mal wieder soweit. Die Persistence Tour 2009 machte halt in der Sächsischen Hauptstadt Dresden und wie jedes Jahr sehnte man dieses Spektakel voller Vorfreude herbei. Aufspielen sollten No Turning Back, Death by Stereo, Evergreen Terrace, Walls of Jericho, Agnostic Front, Biohazard und Ignite. Als lokalen Support holte man sich Morda, Strength Approach und Crushing Caspars mit auf die Bühne. Insgesamt sollten also zehn Bands den Zuschauern den Abend versüßen.
Wie jedes Jahr verpassten wir die erste Gruppe, wobei uns MORDA weder vom Namen, noch von der Musik her was sagten. Pünktlich zur zweiten Hälfte des STRENGTH APPROACH Auftritt betrat man die noch recht leere Messehalle. Die Band machte sich nichts aus dem Umstand, dass ihre Musik noch nicht viele Zuhörer fand und spielte trotzdem druckvoll auf. Als Einleitung für den langen Abend waren Strength Approach sehr gut geeignet, so geht ihre Musik sofort ins Bein und auch auf der Bühne wird schön Stimmung gemacht.
Pünktlich 18:00 Uhr machten sich dann die CRUSHING CASPARS an die Instrumente und der Zuschauer bekam ein langweiliges Set um die Ohren gehauen, das mir noch nie zugesagt hat. Keine Ahnung warum, aber die C.C. waren noch nie mein Fall. Die Musik ist belanglos und bietet wenig eigenständiges oder bemerkenswertes. Auch in Dresden konnten mich die Jungs nicht überzeugen.
Weiter ging es mit den Holländern von NO TURNING BACK. Sie spielten ihren schnellen Old-School-Hardcore und der Sänger machte mächtig Action auf der Bühne, aber das war es dann auch schon. No Turning Back hatte man schon des öfteren gesehen und der Funke springt einfach nicht über. Die Bühnenshow ist sehr gut, aber bei der Musik fehlt irgendwie der Wiedererkennungsfaktor.
Nachdem nun langsam das Vorspiel vorbei war, betraten um halb Acht DEATH BY STEREO die Bühne. Mittlerweile war die Messehalle zu 2/3 gefüllt, und die Amis hatten genug Zuschauern um die ersten großen Circlepits an den Start zu bringen. D.B.S. konnten ab der ersten Sekunde überzeugen und die Mischung aus klarem Gesang und schnellen treibenden Instrumentenklängen geht sofort ins Ohr. Jedes Lied wurde abgefeiert und nach knapp 50 Minuten war ein wirklich sehenswerter Auftritt vorbei. Das erste Highlight des Abends.
Nun ging es Schlag auf Schlag. Nach den musikalischen Schwergewichtlern machten sich EVERGREEN TERRACE an die Arbeit. Die Amis hatten ihr neues Album "Almost Home" im Gepäck und präsentierten davon das ein oder andere Lied. Natürlich wurden auch ältere Songs gespielt, die von der Masse begeistert angenommen wurden. Im Moshpit war die Hölle los und auch uns zog es endlich in die dicht gedrängte Menge. Sänger Andrew Carey stürzte sich des öfteren in die Masse und heizte so die Stimmung noch mehr an. Leider war der Auftritt der fünf Jungs viel zu schnell vorbei und das ist einer der Kritikpunkte an der Persistence Tour. Die Spielzeiten sind knallhart festgelegt und Zugaben nicht eingeplant. Mittlerweile ist man das aber gewohnt...
Nach einer kurzen Pause gab es dann kein Halten mehr. WALLS OF JERICHO enterten die Bühne und Frontfrau Candace Kucsulain machte gleich zu Beginn klar, wo in den nächsten 50 Minuten der Hammer hängt. Die Band spielte quer durch alle Veröffentlichungen und die Masse dankte es ihnen mit wahnsinnigen Circlepits und großen Mosphits, wobei hier zu erwähnen ist, dass im Gegensatz zu den letzten Jahren hier weniger gemosht als gepogt wurde. Aber dazu später mehr. Die Band hatte sichtlich Spaß an dem Auftritt und bedankte sich des öfteren beim Publikum für das zahlreiche Erscheinen. Sängerin Candace schien auch nach gefühlten 20 Liedern noch nicht aus der Puste zu sein und legte immer wieder einen Hit nach. Walls of Jerichos Bühnenshow war durch die Sängerin und durch die ruhig stehenden Gitarristen ebenfalls gewohnt gut und sehenswert. An dem Auftritt gibt es absolut nichts auszusetzen. Perfekt.
Für uns kam jetzt der Moment, wo wir eine Pause brauchten. Und was lag da näher, als die Auftritte von AGNOSTIC FRONT und BIOHAZARD lediglich akustisch zu vernehmen und sich im Vorraum zur Ruhe zu setzen. Leider war dieser so extrem vollgequalmt, dass man es hier nicht sehr lange aushielt. Demzufolge konnte man Agnostic Front dennoch zu Gesicht bekommen und der Auftritt verlief ebenso unspektakulär wie alle AF-Gigs. Musikalisch sicherlich eine gute Gruppe aber mit null Livequalifikation. Die Amis schaffen es nie, die Power der Lieder auf die Zuschauer zu übertragen. Bis auf "Gotta Go" kommt einfach nichts bei der Masse an und somit wird die Langeweile beim AF-Auftritt groß geschrieben.
Leider sollte es noch schlimmer kommen, denn Biohazard spielten einfach nur unbedeutende Musik, bei der man nicht so recht erkennen konnte, was denn nun das lange Intro und was das eigentliche Lied ist. Dazu kam dann noch ein schlechter Gesang, der stellenweise an Hip Hop erinnerte und eine noch langweiligere Bühnenshow... Nein danke, Biohazard waren mit Abstand die langweiligste Gruppe des Abends. Mit Metal hatte das Gespiele jedenfalls nichts zu tun.
Lange musste man sich schlussendlich gedulden und Agnostic Front und Biohazard raubten einem die Nerven, aber kurz vor Mitternacht war es soweit. IGNITE spielten mal wieder in Dresden auf und die Jungs haben kein bisschen an Spielfreude verloren. Sänger Zoli erklärte viele Lieder im Voraus und gab wieder einige seiner berühmten Ansagen von sich. "Wir Gedenken den Opfern des Bombenholocausts... den Hunderttausenden von Opfern... Frauen, Kindern... in einer Nacht" politische Korrektheit wird bei Zoli anscheinend klein geschrieben. Korrekterweise muss aber auch erwähnt werden, dass er zum Ende hin sich beim Publikum für die Treue bedankte und auch etwas von "No Nazi Bullshit" ins Mikro sprach. Somit kam er allen Glorifizierungsversuchen von Rechts zuvor. Aber wen stört es schon? Die Hauptsache ist doch, dass Ignite richtig guten melodischen HC machen, der darüber hinaus sehr sozialkritisch und politisch unkorrekt ist. Die Band spielte viele Lieder vom Album "Our Darkest Days" und darüber hinaus noch zwei Balladen, wo Sänger Zoli nur von einer Akustikgitarre begleitet wurde. Mit einer Spielzeit von mehr als einer Stunde konnten Ignite am längsten zeigen, was sie drauf haben und die leicht geschrumpfte Anzahl von Zuschauern bedankte sich bei ihnen mit lautem Beifall und einem wilden Mosphit. Der Auftritt war - wie eigentlich immer bei Ignite - äußerst gelungen.
Neben Walls of Jericho und Evergreen Terrace waren Ignite die Könige des Abends. Leider gab es ein paar Gruppen, die eher langweilten, als Stimmung zu machen, aber dies wusste man ja schon vorher.
Zusammengefasst hatte die Persistence Tour 2009 ein richtig gutes Line-Up und die Bands gaben auch ihr Bestes. Negativ zu bewerten ist aber, dass man fast alle Gruppen schon mehrmals gesehen hatte und es langsam aber sicher so aussieht, als wenn die Veranstalter alle zwei Jahre die gleichen Gruppen auf die Bühne holt. Da kann ruhig mal nachgebessert werden auch wenn dadurch vielleicht 200-300 Zuschauer weniger kommen. Aber auch in diesem Punkt soll hier Kritik geäußert werden. War es zu Beginn der Veranstaltungsreihe noch so, dass fast nur HC-Fans anwesend sind, lief es dieses Jahr darauf hinaus, dass nur noch wenige reine HC-Fans auszumachen waren. Den Großteil der Zuschauerschaft bildete ein Klientel aus Proleten, Normalos oder Mitläufern, die vielleicht gerade mal ein Lied von Agnostic Front kennen. Natürlich kann diese Aussage nur an Äußerlichkeiten fest gemacht werden, aber der Einfachheit halber bedien ich hier mal dieses Vorurteil. Waren in den letzten Jahren noch eine Vielzahl von extrem rechten, wie auch extrem linken Leuten anwesend, schien dieses Mal die Mitte der Gesellschaft die Dresdner Messe erobert zu haben. Nazis hat man so gut wie gar keine gesehen, oder sie haben sich gut verkleidet. Und Linke waren natürlich da, aber der harte Kern, der letztes Jahr noch Thor Steinar Träger rausgeschmissen oder das Jahr zuvor einen ANTIFA-Stand errichtet hatte, fehlte ebenfalls.
Ansonsten war die Persistence Tour 2009 aber die Anreise wert, auch wenn mir einiges zu denken gegeben hat.